In den vergangenen Jahrhunderten vor der Einführung der Briefmarken wurden Briefe den Schiffen mitgegeben, um Nachrichten zu übermitteln, die nicht über Land zum Empfänger befördert werden konnten. Sicherlich hatte auch Christoph Columbus einen Brief für den Kaiser von China als seine Legitimation dabei, der aber leider heute nicht mehr nachweisbar ist.

Für uns als Sammler sind die Schiffsbriefe erst ab dem 18. Jahrhundert erreichbar. So finden wir hauptsächlich Briefe, die Begleitpapiere für wertvolle Warensendungen, die dem Schiff mitgegeben wurden, beinhalteten, oder Nachrichten an Handelshäuser in Übersee, als Anweisungen für ihre Tätigkeiten dort.

Aber auch private Briefe an die Familienangehörigen in der Heimat sind für uns Sammler erhalten geblieben. Leider kommen solche Briefe nicht sehr häufig vor und gehören zu den seltenen Belegen einer See- und Schiffspost-Sammlung.

Brief aus St. Thomas nach Hamburg mit Rechteckstempel „Aus Westindien über Bremen“, 1873
Brief, aufgegeben in St. Thomas, Dänisch-Westindien, nach Hamburg. Das Porto wurde im Voraus bezahlt und der Brief vom Postamt „St. Thomas am 30.1.1873“ gestempelt. Befördert mit einem Schiff nach Bremen. Dort wurde der seltene Rechteckstempel „Aus Westindien / über Bremen“ angebracht. Auf der Rückseite des Briefes befindet sich der Eingangsstempel von Hamburg unter dem 21.2.1873. Leider war in dem Brief das Schreiben nicht mehr vorhanden. Daher können wir nicht sagen, um welche Nachricht es sich gehandelt hat.
Brief an J. Gildemeister auf Nordernei mit Schiffsbriefstempel „TELEGRAPH Franco“, 1842
Brief von Herrn Gildemeister jun. aus Bremen an seinen Vater J. Gildemeister, der zu einem Badeurlaub auf der Nordseeinsel Nordernei aus gesundheitlichen Gründen weilte. Der Brief wurde am 18.7.1842 geschrieben und dem Dampfer „TELEGRAPH“, der in den Sommermonaten einen regelmäßigen Dienst nach Nordernei betrieb, zur Beförderung übergeben. Der Kapitän stempelte den Brief mit dem seltenen Schiffsbriefstempel „TELEGRAPH / Franco“ für das im Voraus bezahlte Porto.

Ein sehr interessantes Gebiet ist die Transatlantikpost von Bremen oder Hamburg ausgehend nach den Häfen der Vereinigten Staaten und von dort nach Deutschland. Hier kommen handschriftliche Leitvermerke auf den Altbriefen vor, die den Brief einem bestimmten Schiff zuordneten. Auf Altbriefen aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika nach Bremen und Hamburg finden wir diverse Verrechnungsstempel, die das Porto zwischen den Staaten regelten. Nachfolgend zeigen wir zwei Beispiele.

Transatlantikbrief von Bremen nach New York per Dampfer „America“ des Norddeutschen Lloyd, 1863
Transatlantikbrief von Bremen nach New York, befördert mit dem Dampfschiff „AMERICA“ des Norddeutschen Lloyd Bremen (siehe den handschriftlichen Vermerk „pr. Steamer ‚America‘“). Der Brief wurde mit einer Marke von Bremen zu 10 Grote frankiert; diese wurde mit dem Rechteckstempel BREMEN 7.11. (1863) entwertet. Zusätzlich wurden auf dem Brief die Stempel „PAID“ und „10“ (10 Grote Bremen = 10 c USA) in roter Farbe für die Gebühr der Vorabfreimachung angebracht. Ein schöner Beleg aus den ersten Jahren der Postbeförderung nach den USA mit einem Schiff des Norddeutschen Lloyd Bremen.
Brief von New York nach Ankum per Postdampfer „Washington“, 1849
Brief, geschrieben am 20. Juli 1849 in New York, gerichtet an die Firma Lampe & Sohn in Ankum. Der Brief wurde am gleichen Tag (siehe den Tagesstempel von New York unter dem 20.7.) dem Postdampfer „WASHINGTON“ der Ocean Steam Navigation Company lt. handschriftlichem Leitvermerk „Per Steamship Washington“ zur Beförderung übergeben. Er wurde über Bremen geleitet und mit dem roten Tax- und LeitwegstempelStempel 9 AMERICA ÜBER BREMENzur freien Beförderung bis Bremen gestempelt. Der schwarze Stempel „24“ zeigt das noch einzuziehende Porto ab Bremen nach Ankum, das beim Empfänger einzuziehen war.

Selbst in der heutigen Zeit findet man manchmal noch „Schiffsbriefe“, z. B. im Verkehr mit den Anliegerstaaten Europas, besonders im Ostseeraum. Mit diesen Briefen werden hauptsächlich Konnossemente (Frachtpapiere) für über See beförderte Waren getrennt von der Verladung zum Versand gebracht. Diese Papiere werden vom Empfänger benötigt, um die Waren am Bestimmungsort ausgeliefert zu bekommen. Der älteste bislang nachgewiesene Schiffsbrief stammt aus dem Jahr 1497.

Schiffsbrief von Hamburg nach Turku mit Freistempel Röhlig & Co. und Stempel „Schiffspost“, 1937
Schiffsbrief von Hamburg nach dem finnischen Turku, freigemacht mit dem Freistempel der Spedition Röhlig & Co. in Hamburg zu 25 Pfg. unter dem 22.9.1937 und dem Dampfer „Reinhart L.M. Russ“ übergeben, der die Route nach Turku befuhr. Der Brief enthielt mit großer Wahrscheinlichkeit Frachtpapiere für an Bord befindliche Waren, die der Empfänger schnellstens benötigte. Der Freistempel wurde vom Zahlmeister des Dampfers mit dem Einzeiler „Schiffspost“ und „Reinhart L.M. Russ“ entwertet, für die ordnungsgemäße Beförderung als Schiffspost.