An Bord der Reichspostdampfer gab es keine Postbeamten: Der Zahlmeister nahm die Briefe von Passagieren und Besatzung an, stempelte sie und gab sie im nächsten Hafen zur Weiterbeförderung ab. Belege von den Linien nach Australien und Ostasien zeigen, warum viele dieser Stempel trotzdem „DEUTSCHE SEEPOST“ heißen.
Arge SCHIFFSPOST im BDPh e.V.Ausgabe 2026ca. 5 Min. Lesezeit
Abbildung zum Aufsatz
Wie im Eingangskapitel erwähnt, wurden die „SCHIFFSPOSTEN” an Bord der Schiffe nicht von Seepost-Beamten begleitet, sondern von auf die Post vereidigten Schiffsoffizieren, in der Regel von den Zahlmeistern. Diese waren berechtigt, die an Bord der Schiffe aufgelieferten Postsendungen zu bearbeiten. Daher bekamen die Schiffspostbüros eine komplette Ausrüstung mit an Bord, die neben dem Schiffspoststempel u.a. einen Siegelstempel zum versiegeln von wertvollen eingeschriebenen Briefen, diversen Formularen für den Nachweis der Postabgaben und natürlich einen Bestand an deutschen Freimarken beinhaltete. An Bord der Schiffe wurde für die mitreisenden Passagiere und für die Besatzungsangehörigen ein Briefkasten der Post angebracht. In diesen konnten alle an Bord befindlichen Personen ihre Post einwerfen. Der Zahlmeister entnahm die Post dem Briefkasten einen Tag vor Erreichen eines ausländischen Hafens, entwertete die deutschen Frankaturen mit seinem Schiffspoststempel, bündelte sie und gab sie mittels einer Briefliste im fremden Hafen zur Weiterbeförderung an die Empfänger in aller Welt ab. Viele der deutschen Schiffspoststempel tragen als Inschrift „DEUTSCHE SEEPOST”, obwohl sie von Schiffsposten verwendet wurden und nicht von Seeposten. Lassen wir die nachfolgend abgebildeten Belege für sich sprechen.
Einige Beispiele von deutschen See- und SchiffspoststempelnBrief nach Königslutter, aufgegeben an Bord des Reichspostdampfers „PRINZREGENT LUITPOLD” vom Norddeutschen Lloyd Bremen. Die Frankatur zu 20 Pfennig wurde sehr sauber mit dem Stempel „DEUTSCHE SEEPOST - AUSTRALISCHE HAUPTLINIE” mit dem Kennbuchstaben „e” unter dem 19.12.1902 entwertet. Der Brief wurde vom Zahlmeister am 20.12.1902 in Aden von Bord gegeben und traf am 3.1.1903 beim Empfänger in Königslutter ein, wie es der Durchgangsstempel von Aden und der Eingangsstempel von Königslutter auf der Rückseite des Briefes dokumentieren. Obwohl der Stempel die Inschrift „ DEUTSCHE SEEPOST” ausweist, handelt es sich nach unserer Definition um „ SCHIFEFSPOST”, da sie von einem Zahlmeister und nicht von einem Seepost-Beamten vorgenommen wurde -siehe dazu unsere AnmerkungenWeltpostvereinskarte zu 3 Cents Straits Settlements nach Berlin, aufgegeben an Bord des Reichspostdampfers „NÜRNBERG” vom Norddeutschen Lloyd Bremen, der sich auf seiner ersten Heimreise von Shanghai nach Bremerhaven im Reichspostdampferdienst nach Ostasien befand. Der Zahlmeister versah die Karte mit seinem Stempel DEUTSCHE SEEPOST - OST-ASIATISCHE HAUPTLINIE mit dem Kennbuchstaben „g” unter dem 6.11.1886 neben dem Wertstempeleindruck, da er die Freimachung nicht akzeptierte, notierte handschriftlich „T” für Tax. Beim Eingang in Berlin am 3.12.1886 wurden vom Empfänger 10 Pfennig Nachporto eingezogen. Der Reichspostdampferdienst der Deutschen Reichspost wurde 1886 mit den Schiffen des Norddeutschen Lloyd Bremen, als subventionierte Postdampferlinie nach Australien und Ostasien eröffnet. Diese Dienste fanden mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ihr Ende.Postkarte nach Burg-Lesum bei Bremen, aufgegeben an Bord des Turbinen-Schnelldampfers ‚„POTSDAM” vom Norddeutschen Lloyd Bremen. Die Frankatur wurde mit dem Schiffspost-Normstempel DEUTSCHE SCHIFFSPOST - BREMEN-OSTASIEN - D. POTSDAM - JUNGFERNREISE unter dem 27.9.1935 entwertet.
Der Norddeutsche Lloyd Bremen eröffnete nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1923 seine Dienste nach Ostasien erneut. Zur Verwendung kamen diverse der noch vorhandenen alten Stempel. Mit der Indienststellung von neuen Dampfern kamen dann ab 1935 neue Stempel mit der jetzt richtigen Schreibweise „DEUTSCHE SCHIFFSPOST” und der Routenangabe „BREMEN-OSTASIEN” zur Verwendung. Die abgebildete Postkarte zeigt den Normstempel des Dampfers „POTSDAM” mit dem Zusatz „JUNGFERNREISE”, der auf der ersten Fahrt des Schiffes Verwendung fand.
Zwei Postkarten, aufgegeben beim Postamt des Schnelldampfer „COLUMBUS” vom NDL auf Kreuzfahrten. Die Karte oben, aufgegeben anläßlich einer Spanien-Madeira-Fahrt, die Frankatur wurde mit dem Seepoststempel „SPANIENFAHRT” unter dem 31.12.1935 entwertet. Die untere Karte, aufgegeben auf einer England-Norwegenfahrt. Die Frankatur wurde mit dem Normstempel Deutsche Schiffspost „ENGLANDFAHRT” unter dem 30.7.1937 entwertet.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden bis auf wenige Ausnahmen alle See- und Schiffspostämter geschlossen, die Schiffe teils der Kriegsmarine als Hilfsschiffe zugeteilt, interniert in fremden Häfen oder in neutralen und deutschen Häfen aufgelegt. Zu den Ausnahmen gehörten die Stempel auf den Eisenbahnfährschiffen der Linien Gjedser-Warnemünde, Saßnitz-Trelleborg und den Linien im Ostseeraum.